
geb.: 13.2.1930 in Freiburg
gest.: 2.2.1968 in New York, USA
Mundingerstr. 43, Emmendingen
Aus: Antwerpen, Belgien nach: New York, USA
Transportmittel: Schiff SS Veendam
Emigration mit ihrem Vater Willy Veit (Mutter Else Veit war schon 1938 emigriert) Verwandter im Ursprungsland: Großvater J. Veit, Karl-Friedrich-Str. 34, Emmendingen Verwandter in den USA: Großonkel L. Veit, 41 West 68. Straße, New York City
Mutter:
Else Veit, geb. Pickard
geb. am 2.9.1906 in Emmendingen
gest. am 12.8.1974 in New York City, USA
Vater:
Willy Veit
geb. am 27.5.1894 in Emmendingen
gest. am 20.12.1949 in Binghamton, New York, USA
Irmgard Irene Veit wurde am 13. Februar 1930 in Emmendingen geboren. Ihre Eltern sind Else und Willy Veit. Ihr Vater war Viehhändler von Beruf und Teilhaber im Geschäft seines Vaters Julius Veit genannt Loratti. Irmgard blieb das einzige Kind der Veit. Die Familie wohnte in der Mundingerstraße 43.
In ihrer eidesstattlichen Versicherung vom 14. März 1955 schreibt Irmgard Veit in der dritten Person über sich: "Als sie im Alter von 6 Jahren in Emmendingen bei ihren Eltern wohnend schulpflichtig wurde, durfte sie die allgemeine Volksschule als Juedin nicht besuchen. Sie wurde daher von ihren Eltern in die juedische Schule nach Freiburg i.Br. geschickt." Das kann nicht sein, denn diese wurde erst am 21. Oktober 1936 gegründet. Wahrscheinlich wurde sie erst Ostern 1937 dort eingeschult und nicht mitten im Schuljahr im Herbst 1936.
Am 9. Oktober 1936 emigrierte ihre Mutter allein in die Vereinigten Staaten. Irmgard blieb mit ihrem Vater in Emmendingen und hatte dort auch noch alle Großeltern: Ida und Julius Veit in der Karl-Friedrich-Straße 63 und wenige Häuser weiter stadteinwärts Rosa und Simon Pickard in der Karl-Friedrich-Straße 55. Allerdings starb Simon Pickard im Dezember 1937.
Nach der Pogromnacht wurden die jüdischen Schülerinnen und Schüler am 10. November wieder nach Hause geschickt. Von da an bestand monatelang keine Möglichkeit mehr zum Schulbesuch. Ihr Vater war im Gefolge der Pogromnacht verhaftet und nach Dachau deportiert worden. Er kam erst am 17. Dezember 1938 frei und war bis März 1938 schwer krank im Lorettokrankenhaus. Vermutlich lebte die Siebenjährige in der Zeit bei Ida und Julius Veit, denn Rosa Pickard emigrierte im Januar 1939 zu ihrem Sohn Herbert nach Sao Paulo in Brasilien. An Ostern 1939 wurde die jüdische Schulabteilung an der Freiburger Lessingschule im Jüdischen Gemeindehaus am Werthmannplatz 1 wieder eröffnet, und Irmgard Veit wird sie wieder besucht haben, denn sie war schulpflichtig.
Am 18. Juli 1939 konnte Willy Veit die Visa für sich und seine Tochter in Stuttgart abholen. Am 28. Oktober 1939 gingen Willy und Irmgard Veit in Antwerpen an Bord der SS Veendam. Am 10. November 1939 erreichten sie den Einwandererhafen Ellis Island in New York. Erste Anlaufstelle war Willy Veits Onkel Leopold Veit in der 41 West 68. Straße in New York, der 1907 aus Emmendingen ausgewandert war. Dort war auch Else Veit untergekommen.
Willy Veit kam schwer krank in den Vereinigten Staaten an und konnte bis Juli 1940 nicht arbeiten. Irmgard Veit besuchte von 1940 bis 1941 die Central Highschool in Bainbridge, New York.
1941 eröffnete ihr Vater ein kleines Viehhandelsgeschäft in Binghamton, 270 Kilometer westlich von New York, wo die Familie in der Louisa Street 28 wohnte. Dort besuchte Irmgard Veit bis 1942 die Thomas Jefferson School.
Im April 1942 kamen ihre Großeltern Ida und Julius Veit in New York an, die aus dem südfranzösischen Internierungslager Gurs freigekommen waren. Sie wohnten bei ihnen in Binghamton.
Bis 1944 war Irmgard Veit auf der West Junior Highschool, anschließend ein Jahr auf der East Junior Highschool und von 1945 bis 1948 auf der North Highschool.
Nach 1946 war ihr Vater so krank, dass er nur noch zeitweise arbeiten konnte. Am 21. Dezember 1949 starb Willy Veit in Binghamton mit Jahren mit 55 Jahren an einem Herzinfarkt.
Von 1948 bis 1950 besuchte Irmgard Veit das Triple Cities College of Syracuse University in Binghamton.
1950 ließen sich Irmgard und Else Veit in New York nieder. Irmgard Veit begann sofort, als Angestellte zu arbeiten. Zuerst wohnten die beiden Frauen am 1805 Phelan Place im New Yorker Stadtteil Bronx und zogen 1952 in die 510 West 112. Straße. Ihre Großeltern zogen spätestens 1951 zu Julius Veits jüngstem Bruder Leopold in die 41 West 86. Straße in New York, 35 Minuten zu Fuß entfernt an der Upper West Side.
Im August 1961 besuchten Irmgard und Else Veit Herbert Pickard, den nächstälteren Bruder Else Veits, in Brasilien. Rosa Pickard war dort 1949 gestorben.
Am 2. Februar 1968 starb Irmgard Veit unverheiratet in New York. Wenige Tage später wäre sie 38 Jahre alt geworden. Ihre Mutter starb 1974. Beide sind auf dem Beth-El Cemetery in Paramus, New Jersey, bestattet.
Dorothea Scherle
Irene Veit genannt "Ivy".
Irene Veit im Jahrbuch der Binghamton High School 1948 (Quelle: Ancestry).
Die Louisa Street 28 im New Yorker Stadtteil Binghamton, wo die Veits in den 1940er Jahren wohnten (Quelle: Screenshot Google Streetview).
In New York wohnten Else und Irmgard Veit zuerst am 1805 Phelan Place (Quelle: Screenshot Google Streetview).
Grabstein von Else und Irmgard Veit auf dem Beth-El Cemetery in Paramus, New Jersey (Quelle: Find A Grave).
Passagierliste aus dem Jahr 1939 mit den Namen von Willy Veit und Tochter Irmgard Veit. Als Verwandten im Ursprungsland hat Willy Veit seinen Vater Julius Veit in Emmendingen angegeben, als
Verwandten in den USA seinen Onkel Leo Veit in New York (Quelle: My Heritage).
Irene Veit im Jahrbuch der Binghamton North High School 1946 (Quelle: Ancestry).
Irene Veit im Jahrbuch der Binghamton North High School 1947 (Quelle: Ancestry).
Irene Veit im Jahrbuch der Binghamton North High School 1947 (Quelle: Ancestry).
Irene Veit im Jahrbuch der Binghamton North High School 1948 (Quelle: Ancestry).
Irene Veit im Jahrbuch der Binghamton North High School 1948 (Quelle: Ancestry).
Irene Veit im Jahrbuch der Binghamton North High School 1948 (Quelle: Ancestry).
Eidesstattliche Erklärung Irmgard Veits vom 14. März 1955. Die Angabe, an Ostern 1936 an der jüdischen Schulabteilung der Freiburger Lessingschule eingeschult worden zu sein, kann nicht stimmen, weil diese nachweislich erst am 21. Oktober 1936 eröffnete (Quelle: StaF F 196/1 Nr. 8545).
Visum von Irene Veit für Brasilien aus dem Jahr 1961 (Quelle: Ancestry).
| Archiv | Quelle | Signatur |
|---|---|---|
| Stadtarchiv Emmendingen | Meldekarte | – |
| Staatsarchiv Freiburg | F 196/1 Nr. 8545 | |
| My Heritage | Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939 | – |
| My Heritage | Ellis Island und andere New York Passagierlisten, 1820-1957 | – |
| Ancestry | Jahrbücher von US-Schulen, 1900-1999 | – |
| Google Streetview | – | |
| Find A Grave | Irmgard Veit | – |