Alfred Max Weil


    • Englische Namensvariante: Fred

    geb.: 7.10.1926 in Freiburg

    gest.: 21.3.2021 in Manhattan, New York, USA


    Wohnorte:

    1926

    Von: 7.10.1926 bis: 23.6.1937

    Karl-Friedrich-Str. 1, Emmendingen

    Emigration:

    1937

    Von: 30.6.1937 bis: 6.7.1937

    Aus: Le Havre, Frankreich nach: New York, USA

    Transportmittel: Schiff SS Ile de France

    Emigration der ganzen Familie Else, Moritz und Alfred Weil Verwandter im Ursprungsland: Großmutter Lina Weil, Karl-Friedrich-Str. 50 Emmendingen Verwandter in den USA: Onkel Bert Weil, 1450 Broadway, New York City


     

    Familienzusammenhänge

    Eltern:

    Mutter:

    Else Mina Weil, geb. Geismar

    geb. am 2.3.1905 in Emmendingen

    gest. am 26.10.1996 in Manhattan, New York, USA

    Vater:

    Moritz Fritz Weil

    geb. am 7.2.1891 in Emmendingen

    gest. am 21.11.1958 in Manhattan, New York, USA

     

    Biografie

    Alfred Max Weil wurde am 7. Oktober 1926 in einer Freiburger Klinik geboren. Seine Eltern sind Else und Fritz Weil. Sie führten in Emmendingen in der Karl-Friedrich-Str. 1 direkt am Emmendinger Tor eine Bäckerei. Alfred war das einzige Kind.

    Alfred Weil besuchte von Ostern 1933 an die Volksschule in Emmendingen. Im Sommer 1934 musste er wie alle jüdischen Volksschüler an die jüdische Schulabteilung der Markgrafenschule wechseln und besuchte nach deren Schließung von Ostern 1937 an die jüdische Schulabteilung an der Lessingschule in Freiburg. 

    Emigration

    Unter dem Druck der Verhältnisse gab das Ehepaar Weil seine Bäckerei 1937 auf. Am 30. Juni 1937 reiste die dreiköpfige Familie mit der SS Ile de France von Le Havre nach New York. Am 6. Juli 1937 kam sie am Einwanderungshafen Ellis Island an. Erste Anlaufstelle war Bert Weil, der älteste Bruder seines Vaters, der schon 1903 in die USA emigriert war. Bei ihm fand Fritz Weil Arbeit. Bert Weil führte eine Großbäckerei für Toastbrot, in der Fritz Weil, der sich nun Morris nannte, als Vorarbeiter in Teilzeit arbeiten konnte. Vollzeit war wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr möglich. Else Weil trug als Hausgehilfin, Serviererin und Handschuhnäherin zum Unterhalt der Familie bei. Die Familie Weil wohnte in New York in der 510 West 112. Straße.

    Steiniger Weg

    Fred Weil, wie er sich nun nannte, besuchte in New York vier Jahre die Grundschule und drei Jahre die Highschool. Von 1945 an arbeitete er als ungelernter Arbeiter, Laufbursche und Packer in der Toastfabrik seines Onkels Bert Weil, der Devonsheer Melba Corporation, und besuchte nachts zwei Jahre lang das City College. Von 1950 an diente er zwei Jahre lang in der amerikanischen Armee. Danach arbeitete er als Verkäufer in einem New Yorker Warenhaus, bis dieses ein Jahr später aufgelöst wurde. Nach einer Zeit der Arbeitslosigkeit arbeitete Fred Weil viele Jahre als Einkäufer für das Kaufhaus BF Altman, wo er für Smokings zuständig war. Laut Bert Weils Enkel Robert Kaufmann war er sehr gut in seinem Job.

    Bekennender Schwuler

    Am 31. Oktober 1956 schrieb Fred Weil in seinem Wiedergutmachungsantrag: „Ich bin auch heute noch unverheiratet, weil ich von meinem kleinen Verdienst noch zum Unterhalt meiner Eltern beitragen muss.“ Er wird sich bei der Niederschrift dieses Satzes königlich amüsiert haben. Fred Weil war homosexuell. Aus dem Leben als gering bezahlter Angestellter fand er heraus. Er machte eine Ausbildung als Schauspieler.

    Robert Kaufmann zufolge war er ein stolzer Schwuler mit einer langjährigen Beziehung zu Bob Adams. Er kannte viele berühmte Schauspieler. Er war einer der ersten Schwulen, die auf Fire Island Pines, Long Island, New York, ein Zuhause gründeten, und war maßgeblich an der Entwicklung der berühmten und toleranten Schwulengemeinschaft auf Fire Island Pines beteiligt, die Schwulen und Nicht-Schwulen gegenüber aufgeschlossen war und vielen berühmten Schauspielern, Musikern und Künstlern ein Zuhause bot. "The Pines Club" wurde eine Institution. Auf einem Gruppenfoto ist Fred Weil im "Pines Club" vor Jerry Hermann zu sehen, der die Musik zu „Hello, Dolly!“ und „La Cage aux Folles“ komponiert hatte, dem ersten erfolgreichen Broadway-Musical mit einem schwulen Paar (der Film „The Birdcage“ aus dem Jahr 1996 mit Robin Williams und Nathan Lane basiert darauf).

    Fred Weil war Gründungsmitglied des "Pines Community Theater". Er und Bob Adam liebten alles, was mit Theater zu tun hatte. "Er war ein wunderbarer Mann, sehr freundlich und kontaktfreudig. Er liebte die Sonne und war der Mittelpunkt jeder Party mit seinem schnellen, aber freundlichen Sinn für Humor", so Robert Kaufmann.

    Bob Adams war Robert Kaufmann zufolge "ein netter und liebevoller Mann. Obwohl Elsa sehr konservativ und traditionell war, akzeptierte sie Freds Beziehung zu Bob. Es war schwer, ihn nicht zu lieben. Schließlich gab Bob seine Arbeit als Fotograf auf und arbeitete im Spirituosenladen in Fire Island Pines, einem zentralen Treffpunkt der Stadt. Jeder liebte ihn. Er trank immer Manhattans."

    Peter Weigel aus dem Umfeld von Fred Weil und Bob Adams erinnert sich nach Fred Weils Tod 2021 ebenfalls an die Manhattans: "Bob war viele, viele Jahre lang ein fester Bestandteil des Spirituosenladens. Er nahm das Geld abends mit nach Hause – und öffnete den Laden für Fährenankünfte spät in der Saison. Gegen 11 Uhr begann er, die Waren zu 'probieren' – er machte sich einen Manhattan – und er rührte ihn traditionell mit seinem Finger um und 'kostete' dann seinen Finger. An vielen Tagen wartete Fred mit dem Mittagessen auf Bob – oft wartete er stundenlang darauf, dass er nach Hause kam, um zu essen. Bob liebte es, im Laden gesellig zu sein."

    Tod

    Am 21. November 1958 starb Fritz Weil mit 67 Jahren in New York. Else Weil wohnte bis zu ihrem Tod 1996 bei ihrem Sohn. Fred Weil starb mitten in der Corona-Zeit am 12. März 2021 mit 94 Jahren in Manhattan. In seinem Nachruf steht: "Fred M WEIL was born on October 7, 1926 and passed away on March 12, 2021 and is under the care of Riverside Memorial Chapel." (Fred M. WEIL wurde am 7. Oktober 1926 geboren und verstarb am 12. März 2021. Er wird von der Riverside Memorial Chapel betreut.). Seine Familienmitglieder und Freunde zollten ihm am 25. März 2021 mit einem "Fred's memorial zoom call", einem virtuellen Treffen per Zoom.

    Dorothea Scherle

     

    Photographien

    Alfred Weil (Quelle: Privatarchiv Robert Kaufmann).
    Erika Bloch und Alfred Weil in Emmendingen (Quelle: Privatarchiv Kenneth Danty).
    Lina Weil mit den Enkeln Alfred Weil und Alice Bloch in Emmendingen (Quelle: Privatarchiv Kenneth Danty).
    Else Mina Weil (Quelle: Privatarchiv Robert Kaufman).
    Max Weil alias Tony Felitto mit seinem Bruder Moritz genannt Fritz Weil (in den Vereinigten Staaten Morris) mit dessen Sohn Alfred in den USA (Quelle: Privatarchiv Ruth Kaufman Fotis).
    Fritz Weil (in den USA Morris) mit einer prächtigen Challah, die er für den Sabbat gebacken hat, mit den Enkeln seines Bruders Bert, links Bob (Robert), rechts Jim (James) Kaufmann (Quelle: Privatarchiv Robert Kaufmann).
    Fritz bzw. Morris Weil 1953 in Atlantic Beach im Garten seines Bruders Bert (Quelle: Privatarchiv Robert Kaufmann).
    Alfred oder Fred Weil 1954 in Atlantic Beach zu Besuch bei seinem Onkel Bert Weil (Quelle: Privatarchiv Robert Kaufmann).
    Bert Weil im Kontor seiner Firma, der Devonsheer Melba Corporation (Quelle: Privatarchiv Robert Kaufmann).
    Bert Weil mit seiner Familie bei der Bar Mizwa seines Enkels Robert im März 1962. Der 1903 emigrierte Bert Weil hatte seine ganze deutsche Familie in seinem Betrieb untergebracht. Von links: Bert Weils Enkel James Kaufmann, Tochter Peggy Kaufmann geb. Weil, Schwiegersohn Richard Kaufmann, Enkel Robert Kaufmann sowie das Ehepaar Marjorie und Bert Weil (Quelle: Privatarchiv Robert Kaufmann).
    Anlässlich der Bar Mizwa von Robert Kaufmann (nicht auf dem Bild) im März 1962 traf sich die Familie Weil: links sitzend Peggy Kabakow geb. Weil, dann stehend deren Mann Ed Kabakow, Tillie Weil und Leo Weil und deren Sohn Alfred / Fred Weil und sitzend Else Weil, die Witwe Fritz Weils (Quelle: Privatarchiv Robert Kaufmann).
    Das Haus von Fred Weil auf Fire Island Pines (Quelle: Privatarchiv Robert Kaufmann).
    Fred Weil, vorne rechts im weißen Polo-Shirt kniend. Direkt hinter ihm steht Jerry Hermann, der die Musik zu berühmten Musicals wie "Hello Dolly" und "La Cage aux Folles" komponiert hat (Quelle: Privatarchiv Robert Kaufmann).

    Dokumente

    Einzugsgebiet der Jüdischen Schulabteilung an der Freiburger Lessingschule (Quelle: Jüdische Zwangsschule Freiburg).
    Passagierliste aus dem Jahr 1937 mit den Namen von Else, Moritz und Alfred Weil. Mit demselben Schiff emigrierte auch Julius Weil aus Emmendingen. Als Verwandte im Ursprungsland hat Moritz Weil seine Mutter Lina Weil in Emmendingen angegeben, als Verwandten in den USA seinen Bruder Berthold Weil in New York (Quelle: My Heritage).
    Die Volkszählung 1940 hat die Familie Weil erfasst: Else, Moritz und Alfred Weil sowie Moritz Weils Mutter Lina (Quelle: Ancestry).
    Registrierungskarte der amerikanischen Armee von Alfred Weil (Quelle: Ancestry).
    Bescheinigung der Devonsheer Melba Corporation für Fred Weil vom 26. Oktober 1956. Unterschrieben hat das Dokument seine Tante Ottilie genannt Tillie Weil geborene Klaus (Quelle: F 196/1 Nr. 7443).
    Am 31. Oktober 1956 schildert Alfred bzw. Fred Weil seinen Werdegang (Quelle: StaF F 196/1 Nr. 7443).

     

     

    Archiv & Quellen:

    Archivalien

    ArchivQuelleSignatur
    Stadtarchiv Emmendingen Meldekarte

    Staatsarchiv Freiburg

    F 196/1 Nr. 7443

    Privatarchiv Kenneth Danty

    Privatarchiv Ruth Kaufman Fotis

    Privatarchiv Robert Kaufman

    My Heritage Ellis Island und andere New York Passagierlisten, 1820-1957

    My Heritage U.S. Behördendaten Verzeichnis

    Ancestry US-Volkszählung 1940

    Ancestry USA, Einzugsregistrierungskarten junger Männer, 2. Weltkrieg, 1940-1947

    Ancestry Index des US-Staatsarchivs, 1950-1993, Band 1

    Dgnity Memorial Obituary Fred M. Weil